Neugeborene Alpakafohlen
Aus aktuellem Anlass sehen wir uns veranlasst, zu falschen Veröffentlichungen sowie mündlichen Vorträgen Stellung zu nehmen. Die folgenden Punkte beruhen auf praktischer Erfahrung und sind für das Überleben der Fohlen entscheidend.
Kolostrum – der entscheidende Zeitfaktor
Nach der Alpakageburt sollte das Fohlen innerhalb von vier Stunden Kolostrum getrunken haben. Spätestens nach sechs Stunden muss das Kolostrum aufgenommen worden sein – nicht erst nach 24 Stunden.
Nach 6 Stunden ist die Durchgängigkeit der Darmwand nicht mehr gegeben, ein Aufbau der Immunabwehr ist dann nicht mehr möglich. Fohlen, die kein Kolostrum aufgenommen haben, sterben häufig innerhalb der ersten drei Monate.
Milchfluss und Zufüttern
Der Milchfluss bei der Mutterstute wird dadurch angeregt, dass das Fohlen immer wieder saugt – nicht nur alle zwei bis drei Stunden. Auch wenn in den ersten Stunden noch wenig Milch vorhanden ist.
Wird das Fohlen gleich zu Beginn großzügig zugefüttert, fehlt die Notwendigkeit für das Fohlen, sich bei der Mutter zu bemühen. Zufüttern sollte nur dann erfolgen, wenn das Fohlen matt ist.
Eine vorbeugende Gabe von Lactovetsan bei jeder Stute ist daher nicht nötig. Lassen Sie die Fohlen saugen.
Gewichtsabnahme in den ersten Stunden
Jede Menschenmutter weiß, dass Neugeborene in den ersten 24 Stunden zunächst etwas an Gewicht verlieren, um danach zuzunehmen. Genau so ist es auch bei Alpakafohlen. Diese Phase ist normal.
Körpertemperatur und Energieverlust
Viel wichtiger erscheint uns der Umstand, dass ein Fohlen nach der Geburt nicht zu viel Energie verlieren darf. In unseren Breiten sind Fohlen häufig mit dem Halten der Körpertemperatur überfordert.
Fohlen sollten – wenn sie nicht im Sommer bei Sonne geboren werden – immer gründlich trockengerubbelt und bei Bedarf geföhnt werden. Das schützt vor Energieverlust und hält sie stark genug, um aufzustehen und zu trinken.
Beim Trocknen sollte möglichst wenig gesprochen werden, damit sich das Fohlen auf die Stimme seiner Mutter prägt und nicht auf den Menschen.
Vergleich zu Südamerika
In den Anden auf etwa 4000 Metern Höhe herrscht eine deutlich intensivere Sonneneinstrahlung und Wind, wodurch die Tiere sehr schnell trocknen.
Bei uns – insbesondere im April/Mai oder September/Oktober oder in regenreichen Sommern – ist die Frage der Körpertemperatur nicht zu vernachlässigen.
Wir haben wiederholt erlebt, dass neue Alpakahalter ihre Fohlen stundenlang in der Kälte zittern lassen mit der Begründung: „Das ist Natur, in Südamerika hilft denen auch keiner.“ Diese Annahme ist falsch.
Klistier – kein Routineeingriff
Ein Klistier für alle Neugeborenen ist nicht erforderlich. Ungeschickte Anwendungen können das Fohlen sogar verletzen.
In unserer Erfahrung kam es nur bei etwa zwei bis drei Prozent der Geburten vor, dass der erste Kot nicht wie gewünscht abging. Dies erkennt man daran, dass das Fohlen unruhig und unzufrieden ist und sich vergeblich bemüht.
Dann ist immer noch ausreichend Zeit für ein Klistier. Oft lässt sich bereits beim Blick unter das Schwänzchen erkennen, ob der erste Kot abgegangen ist.
Das Fohlen muss zunächst getrunken haben, damit der Darm überhaupt zu arbeiten beginnt. Es besteht also keine Eile.
Zusammenfassung
Die ersten Stunden nach der Geburt sind entscheidend. Ruhe, gezieltes Beobachten und ein Eingreifen nur dann, wenn es notwendig ist, geben dem Fohlen die besten Voraussetzungen für einen guten Start.